Ich hab grade mal lust etwas über ein Lied zu schreiben das mich grade beschäftigt, vielleicht interessierts ja jemanden.
Es ist ein Lied vom Soloprojekt des Nocte Obducta (R.I.P.) Sängers, und heißt, wie der Threadtitel verrät, „und führe mich nicht in Versuchung“.
Ich sage gleich zuerst, das ich den Text nicht so interessant finde, weil er absolut die gegebene Realität ausdrückt, das tut er, finde ich, nicht. Von denen Dingen die wirklich sind (Logos) weichen diese depressiven Gedanken sehr ab. Aber man ist als Philosoph nicht nur an den Dingen die sind interessiert, sondern auch an seinen „Phänomenen“, also wie diese Dinge eben scheinen.
Ums mal anders diesen wichtigen Unterschied zu erklären: Wenn in unsrer Logos-Realität die Erde um die Sonne kreist, bleibt es doch in unsrer „Phänomenen-Realität“ derart, das die Sonne „untergeht“.
Genug davon, ich wollte damit nur hinführen, das ich den Text so interessant finde, weil er sehr klar und Künstlerisch sehr ansprechend, klarmacht, wie sich der Künstler fühlt, und was er von seinem Umstand denkt.
Ich finde den Text daher auch so dunkel, weil er nicht nur eine typisch-depressive Situationsbeschreibung ist, sondern Tiefer geht, und daher etwaige Gedanken-Irrungen nur noch viel Mehr als Wahrheit erscheinen lässt.
hier der Text:
„Agrypnie – Und Führte Mich Nicht In Versuchung“
„Dort im Feld“ sagen die Nachbarn „stand er still und schien zu lauschen
Keine Schuhe an den Füßen, wirr, zerzaust, wie willenlos.“
„Dort im Feld“ sagen die Nachbarn „stand er still und schien zu kämpfen
Etwas in den dürren Fingern, und die Arme lagen bloß.“
[Dämonen:]
Unser ist dein Leben, weil wir alles sehen, was du tust
Unser ist dein Körper, weil dein Geist in uns’ren Fesseln liegt
Dein ist nur der Traum von Freiheit, der verkümmert und verdorrt
Dein war nur die Hoffnung doch die Hoffnung, scheint es, ist versiegt
[Ich:]
Und so ist der Weg ans Licht…
Wenn man hasst, was einen treibt
Wenn man nur als Hülle lebt
…der, dass man nicht länger bleibt
„Dort im Feld“ sagen die Nachbarn „stand er still und schien zu schreien
Ausgemergelt, blass, zerschunden, und er schwankte dann und wann.“
„Dort im Feld“ sagen die Nachbarn „stand er still und schien zu ringen
Zog sich zitternd erst Metall am Arm entlang und stürzte dann…“
copyright: Agrypnie
Gerade der Text, den der Künstler die Dämonen sagen lässt, hat mich aufgestört, und gezeigt, dass es eben genau das zu sein scheint, was viele Menschen still glauben: Von ihnen überlegenen, unkontrollierbaren, weil nicht den Gesetzen der Natur folgenden, Mächten, nehmen sie ihr Ausgeliefertsein an. Und das lässt sie in sich selbst zurückziehen, „murrend in die eigenen Tavernen“. Es ist aber nicht der blose Glaube daran, der das wahre Übel darstellt, sondern der Zweifel, und die Not die ihn hervorruft.
Mir ist natürlich klar, das dieser Text eher bildlich zu verstehen ist, und möchte hier nochmal betonen, das ich dem Autor nicht vorwerfe etwas falsch gemacht zu haben, er hat das ausgedrückt, wie die Realität für ihn in einem Augenblick oder Zeitspanne „geschienen“ hat.
Als Christ frage ich mich dann aber, um auf die Not und den Zweifel zurückzukommen, warum man auf solche stillen Fragen sowenig Antworten findet, und schlimmstenfals sie alle aufs jenseitige Später verschiebt. Das wird auch der Grund sein, warum der Stille Vorwurf des Titels „und führe mich nicht in Versuchung“ im Text so ungenannt bleibt. Man erwartet keine Antwort auf die Frage, warum diese Bitte nicht erhört wurde. Warum die „Dämonen“ doch alle Macht über diesen Mann im Felde besessen haben.
Ich glaube wenn wir als Anhänger unserer schönen Offenbahrungsreligion nicht langsam ein paar konkretere Antworten, und Lösungen auf diese Fragen finden, wird der Kreis der Ernstgenommenen nur noch aus einzelnen Lichtern in diesem Lande bestehen, die in die einsame Dunkelheit leuchten.
Daher möchte ich hier etwas klarer schreiben, um doch das Lauffeuer zu entfachen:
Jesus hatte die Macht, auf all diese Not, auf all diese Zweifel und Ängste und Verwirrungen zu treten wie auf Skorpione, deren Stachel ihn nicht treffen konnte. Diese Macht hat er an seine Brüder weitergegeben. Wir sind in der Verantwortung uns derer zu erinnern und zu verwenden. Und wenn der Text auch nur ein Fünkchen Autobiographisch ist, dann bete ich, stellvertretend für Christus (in Jesu Namen), dass dieses Dunkel gebunden wird, und fliehen muss, falls es etwas Supranaturalistisches darstellt, und sich ändern muss, falls es einfach eine Materielle Not ist (also keine „Dämonen“).
Amen.